Warum uns Ringelwürmer zeigen, dass PEGIDA und AfD falsch liegen

Aktuell laufen wieder viele PEGIDA-Anhänger auf, um gegen Flüchtlinge und „die Islamisierung Deutschlands“ zu demonstrieren. Oft skandieren sie Parolen wie „Deutschland den Deutschen“. Wie wenig weitsichtig und fatal die konsequente Umsetzung dieser Parole wäre, darüber ist sich wohl niemand klar.

Ein Beispiel: Ein ähnlicher Aufstand hatte bereits weit vor ca. 800 Mio. Jahren stattgefunden, als eine Population von Ringelwürmern ähnlich skandierte: „Ringelwürmer den Ringelwürmern“. Ab diesem Zeitpunkt beschlossen die Ringelwürmer alles Wissen und all ihr genetisches Potenzial nur noch an sich selbst weiter zu geben, indem sie sich durch (ungeschlechtliche) Teilung selbst vervielfältigten. Neues Genmaterial von außen war nicht gewünscht. Die Konsequenz: heute sind die Ringelwürmer immer noch dieselben Ringelwürmer wie vor 800 Mio. Jahren und haben nichts dazu gelernt!
Der Nachteil dieser ungeschlechtlichen Vermehrung gegenüber der geschlechtlichen Fortpflanzung (Meiose) bestand darin, dass keine Rekombinationen stattfanden – d.h. es fand kein Austausch von Erbmaterial statt, der eine Neuentstehung von vorteilhaften, neuen Genkombinationen hätte fördern können.


Was hat diese Entwicklung mit GANZHEITLICHKEIT und PEGIDA zu tun? – Ganz einfach:

Lässt eine Population, ein Volk, keine Einflüsse von außen zu, so verarmt ihr kulturelles und „genetisches Potenzial“.
Das jahrzehntelange Abschottungsverhalten von z.B. Nord Korea mag hierfür beispielhaft sein, was das Land zu einer der ärmsten Nationen der Welt macht. Dem gegenüber ist die Entwicklung der Vereinigten Staaten ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine der mächtigsten Nationen der Erde gerade dadurch so erfolgreich entwickeln konnte, weil sie von den vielen unterschiedlichen Einflüssen und Potenzialen ihrer multinationalen Einwanderer profitierte. Diese Entwicklung hat für mich etwas GANZHEITLICHES.

Ich verstehe nicht, mit welchen Argumenten man sich heute aus einer Welt ausgrenzen kann, deren fernstes Ziel nach nur wenigen Flugstunden schon ein nahes wird – deren exotischster Einfluss für jeden unmittelbar live oder zumindest medial vermittelt erlebt werden kann. – Aber vielleicht ist es genau das, dass all die PEGIDA-Mitläufer einfach nicht wissen, wie vielfältig die Welt da draußen ist und welche etablierten Lebensweisen und Kulturformen es da gibt und wie man/frau sich als „deutscher Menschen“ dadurch bereichern lassen könnte.
(Ich bin z.B. ein Fan der japanischen Hygiene- und Toilettenkultur und denke, dass in unserm Gesundheitswesen Milliarden Euro eingespart werden könnten, wenn sich hiervon nur ein Grundverständnis in unserer Bevölkerung durchsetzen würde und wir uns von diesem Verständnis inspirieren lassen würden…)

Die „Sicherung Deutschlands“

Wer die „Sicherung des Deutschen Volkes“ skandiert, der sichert diese nicht durch Abgrenzung gegenüber jeglichem Fremden. Ganz im Gegenteil sogar: diejenigen, die mit solchen Parolen auf die Straße oder ins Web gehen, werden das, was sie zu beschützen versuchen, zerstören.

Wenn PEGIDA & Co. Ihr „Deutschdenken“ wirklich richtig denken würden, dann müssten Sie eigentlich den Weg zu einer Art „kultureller Infiltrationskolonialisierung“ einschlagen – d.h.: was würde „Deutsches“ (d.h. unser Grundgesetz / Gleichberechtigung / Religionsfreiheit / Liberalismus / Brauchtum / Goethe / Kant / Beethoven / Beuys & Co.) stärker in die Welt tragen, als dass wir jetzt die Chance ergriffen, den Flüchtlingen unsere Verständnis von „Deutschsein“ zu vermitteln. Wie wenig weitsichtig ist es zu denken, all diese geflüchteten Menschen blieben nach Befriedung Ihrer Herkunftsländer hier in Deutschland. Wie viele gingen zurück in ihre Heimatländer „aufgeladen“ mit den Eindrücken, die ihnen „ganzheitlich denkende Deutsche“ vermittelt hätten. Wie viel mehr könnten wir im Kontaktsuchen zu den Flüchtlingen so unsere eigene Weltsicht um deren Weltsicht bereichern und uns „verganzheitlichen“ – ebenso aber auch die Weltsicht der Flüchtlinge, oder die der Nationen, die auf uns schauen, durch unser Verständnis von Gleichberechtigung und Religionsfreiheit (etc.) beeinflussen.  Und wenn Menschen die Energie, die sie für das Verfassen von Hassparolen und das Engagieren für PEGIDA, AfD & Co. als ein persönliches Engagement für Flüchtlinge aufbringen würden, dann würde sich einmal die ganze Flüchtlingsdiskussion entzerren und gleichzeitig der Bestand und das Wachsen von Deutschland in der Welt gesichert zeigen.

Der Verfassungsschutz sollte PEGIDA & Co. nicht alleine wegen ihrer vielfachen menschenverachtenden und grundgesetzfeindlichen Parolen im Visier halten, sondern deshalb, weil diese Bewegungen es sind, die „die Zerstörung von Deutschland“ beförderen. Diese Gruppen stellen sich gegen das Evolutionsgesetz, dass Resistenz und Fortbestand nur möglich sind, wenn sich „Genpools“ (auch „kulturelle Genpools“ und „Werte-Genpools“) erneuern und von außen beeinflusst werden – dies gilt für Organismen genauso wie für Populationen oder Kulturen.

Leider scheint hierfür allerdings den meisten ein ganzheitliches Verständnis und eine nachhaltige Vision zu fehlen?!

Gregor Pchalek

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